Etwa jeder vierte Hund in Deutschland leidet an einer Futtermittelunverträglichkeit oder -allergie. Juckreiz, stumpfes Fell, Durchfall, ständiges Pfotenlecken – die Symptome sind vielfältig und werden oft falsch gedeutet. In diesem ausführlichen Ratgeber erfährst Du, wie Du Allergien erkennst, eine Ausschlussdiät korrekt durchführst und das passende hypoallergene Futter findest.
Auf einen Blick: Die wichtigsten Fakten
- Häufigkeit: Schätzungsweise leiden über 30 % aller Hunde an einer Futtermittelunverträglichkeit oder -allergie.
- Häufigste Auslöser: Rind, Huhn, Milchprodukte, Weizen, Soja, Ei.
- Typische Symptome: Juckreiz, Hautrötungen, Pfotenlecken, Ohrenentzündungen, Durchfall, Erbrechen.
- Diagnose: Goldstandard ist die Ausschlussdiät (8–12 Wochen) unter tierärztlicher Begleitung.
- Geeignete Proteinquellen: Pferd, Wild, Lamm, Insekten (Monoprotein).
Unverträglichkeit vs. Allergie – wo liegt der Unterschied?
| Futtermittelunverträglichkeit | Futtermittelallergie | |
|---|---|---|
| Mechanismus | Verdauungsbedingt, keine Immunreaktion | Immunsystem reagiert auf Protein |
| Reaktionszeit | Meist binnen Stunden | Kann Tage bis Wochen dauern |
| Symptome | Eher Magen-Darm | Haut + Magen-Darm |
| Dosisabhängig? | Ja | Nein – schon kleine Mengen reichen |
Symptome erkennen: 10 typische Anzeichen
- Anhaltender Juckreiz – besonders an Bauch, Achseln, Pfoten, Ohren
- Hautrötungen, Pusteln, Hot Spots
- Übermäßiges Pfotenlecken bis hin zu Haarausfall an den Pfoten
- Wiederkehrende Ohrenentzündungen
- Stumpfes Fell, Schuppen, Haarausfall
- Verdauungsbeschwerden: weicher Kot, Durchfall, Blähungen, Erbrechen
- Häufiges Grasfressen, Sodbrennen-Symptome
- Übermäßiges Schlecken am Hintern (Analdrüsenprobleme)
- Augenausfluss, tränende Augen
- Verhaltensänderungen durch chronisches Unwohlsein
Die häufigsten Auslöser von Futterallergien

Studien zeigen, dass die folgenden Eiweißquellen am häufigsten Allergien auslösen:
- Rind (Spitzenreiter – etwa 34 % der Allergiehunde)
- Milchprodukte (17 %)
- Huhn (15 %)
- Weizen / Gluten (13 %)
- Ei (4 %)
- Lamm (5 %) – früher als hypoallergen geltend, heute wegen häufiger Verwendung kritisch
- Soja, Schwein, Fisch (jeweils unter 6 %)
Diagnose: Die Ausschlussdiät als Goldstandard
Hinweis: Viele kommerzielle Allergie-Tests (Haar- oder Speicheltests) sind wissenschaftlich nicht ausreichend belastbar. Der Goldstandard bleibt die Eliminationsdiät unter tierärztlicher Aufsicht.
So funktioniert die Ausschlussdiät – Schritt für Schritt
Phase 1: Vorbereitung (Tag 1)
Wähle eine neue Proteinquelle und eine neue Kohlenhydratquelle, die Dein Hund noch nie gefressen hat. Bewährt: Pferd + Süßkartoffel, Wild + Amaranth, Kaninchen + Quinoa oder Insekten + Süßkartoffel.
Phase 2: Strikte Diät (Wochen 1–10)
Mindestens 8, idealerweise 10–12 Wochen ausschließlich dieses Futter geben. Keine Leckerlies, keine Reste, keine Snacks von Besuchern. Wirklich nichts anderes – sonst war alles umsonst.
Phase 3: Bewertung (Woche 10–12)
Verbessern sich die Symptome um mindestens 50 %, deutet das auf eine Futterallergie hin.
Phase 4: Provokation
Einzelne verdächtige Zutaten (z. B. Rind, Huhn, Weizen) gezielt für jeweils 1–2 Wochen wieder einführen. Kehren die Symptome zurück → Auslöser identifiziert.
Geeignete Proteinquellen bei Allergie
Pferd
Eine der besten Optionen: mager, kurzfaserig, hypoallergen, sehr verträglich. Da Pferd in herkömmlichen Futtermitteln selten vorkommt, ist die Sensibilisierungsgefahr gering. Unser Nassfutter Pferd wurde speziell für Allergiker entwickelt.
Wild (Hirsch, Reh)
Fettarm, eiweißreich, selten in Industriefutter. Sehr gut für sensible Hunde.
Lamm
Früher als hypoallergen gehandelt. Heute, da Lamm in vielen Fertigfuttern enthalten ist, leider weniger sicher – aber bei Hunden ohne Lamm-Vorerfahrung weiterhin eine gute Option.
Insekten (Hermetia / Schwarze Soldatenfliege)
Eine moderne, nachhaltige Alternative. Sehr verträglich, da völlig neuartig im Speiseplan der meisten Hunde. Mehr dazu in unserem Beitrag Insekten vs. Fleisch.
Ente
Lange Zeit als selten geltendes Protein. Heute zunehmend verbreitet, daher wieder kritischer.
Was macht ein hypoallergenes Futter aus?
- ✅ Monoprotein: Nur eine tierische Eiweißquelle
- ✅ Transparente Deklaration: Genaue Angabe der Tierart und Anteile
- ✅ Keine versteckten Allergene: Keine „tierischen Nebenerzeugnisse" oder „pflanzlichen Eiweiße"
- ✅ Frei von Aroma-, Farb- und Geschmacksstoffen
- ✅ Wenig allergene Kohlenhydrate: Süßkartoffel, Buchweizen, Hirse, Reis statt Gluten
- ✅ Schonende Verarbeitung: Damit die natürliche Verträglichkeit erhalten bleibt
Was, wenn auch nach der Diät noch Probleme bestehen?
Nicht alle juckenden Hunde haben Futterallergien. Weitere Ursachen können sein:
- Umweltallergien (Atopie): Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze – über Haut- oder Bluttest beim Tierarzt erkennbar
- Parasitenbefall: Flöhe, Milben, Würmer
- Hormonelle Erkrankungen: Schilddrüsen-Unterfunktion, Cushing-Syndrom
- Hautpilze oder bakterielle Infektionen
- Stress / psychische Belastung
Häufige Fragen (FAQ)
Sind Allergie-Tests vom Tierarzt zuverlässig?
Bei Umweltallergien (Atopie) ja. Bei Futtermittelallergien sind Bluttests laut aktueller Studienlage nicht ausreichend zuverlässig – die Ausschlussdiät bleibt der Goldstandard.
Wie lange dauert es, bis sich Symptome bessern?
Magen-Darm-Symptome können sich schon nach 1–2 Wochen bessern. Hautprobleme brauchen oft 8–12 Wochen, weil sich die Haut erst regenerieren muss.
Welches Futter bei mehrfachen Allergien?
Bei Mehrfach-Allergien helfen hydrolysierte Futter (Proteine werden so klein zerlegt, dass das Immunsystem sie nicht erkennt) oder sehr exotische Proteinquellen wie Insekten oder Känguru. Mit dem Tierarzt absprechen.
Kann mein Hund eine Allergie entwickeln, obwohl er das Futter jahrelang vertragen hat?
Ja. Allergien können sich durch wiederholten Kontakt erst entwickeln. Deshalb ist Abwechslung in der Ernährung (verschiedene Proteinquellen) sinnvoll.
Sind Welpen schon allergiegefährdet?
Allergien zeigen sich meist erst nach dem 6. Lebensmonat, manchmal auch erst im Erwachsenenalter. Bei Welpen aus „allergieanfälligen" Rassen (Labrador, Bulldogge, West Highland White Terrier) lohnt sich eine vielseitige, hochwertige Ernährung von Anfang an.
Was tun bei Pfotenlecken?
Pfotenlecken ist oft ein Allergie-Symptom – sowohl bei Futter- als auch bei Umweltallergien. Auch Sodbrennen kann die Ursache sein. Ein systematischer Ausschluss lohnt sich. Mehr dazu auf unserer Pfotenlecken-Themenseite.
Fazit: Mit Geduld zur Linderung
Futterallergien und -unverträglichkeiten sind eine echte Geduldsprobe. Eine konsequente Ausschlussdiät, eine geeignete Proteinquelle und tierärztliche Begleitung führen aber in den meisten Fällen zu deutlicher Besserung – und einem Hund, der sich wieder rundum wohl in seiner Haut fühlt.
🐾 Hypoallergenes Futter für sensible Hunde
Unser Sortiment für Allergiker: hochwertiges Nassfutter mit Pferd, Kanichen, Iberico, Wild oder Lamm – Monoprotein, transparent deklariert, frei von Füllstoffen und künstlichen Zusätzen.
Jetzt Allergiker-Futter entdecken

Quellen
- Mueller, R. S. et al. (2016) : Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals. BMC Vet Res.
- Olivry, T. & Mueller, R. S. (2017) : Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (3). BMC Vet Res.
- Verlinden, A. et al. (2006) : Food allergy in dogs and cats: A review. Crit Rev Food Sci Nutr.
- Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt): Allergien beim Hund.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Ohne Gewähr auf Vollständigkeit & Richtigkeit.













